Next step done!

Die Auswertung der Erlebnisinterviews über eine Gruppendiskussion mit Master of Media Research Studenten

Vergangenen Freitag, den 05.Mai wurde die Auswertung der gesammelten positiven und negativen Erlebnisse mit der Hilfe von vier Kommilitonen (Master of Media Research 2./3.Semester) mit Bravur durchgeführt. Bei der Anwendung der Methodik des Erlebnisinterviews wird empfohlen im ersten Analyseschritt zunächst einen Überblick die gesammelten Erlebnisse zu kreieren (vgl. Zeiner, Laib, Schippert & Burmester 2016). Dabei sollen die wesentlichen Informationen der beschriebenen Erlebnisse herausgefiltert und nach Gemeinsamkeiten strukturiert werden. Zur Kategorisierung des Erlebten werden siebzehn Erlebniskategorien unterstützend eingesetzt. Lassen sich einzelne Erlebnisse nicht die eine entsprechende Kategorie fügen, kann je nach Kontext eine neue Kategorie gebildet werden.

Bsp_Arbeitsblatt

So geschah es auch bei der vergangenen Gruppendiskussion zu, dass drei neue Kategorien zur präziseren Sortierung der Erlebnisse formuliert wurden. „Produktive Partnerschaft“, „Autonomie erleben“ und „Arbeitsstil ausleben“ beschreiben ihrem Namen nach Zustände und Empfindungen, die sehr stark aus dem jeweils beschriebenen Erlebnis hervorgingen. Ein erster Blick auf die Auswertungstafel zeigte Mehrfach-Nennungen in den Kategorien „gegenseitiger Austausch“, „gemeinsam etwas schaffen“ und „Feedback bekommen“. Eine Herausforderung während des Prozesses der Auswertung stellte die Sortierung der negativen Erlebnisse dar. Hierbei wurde Umdenken gefordert, um besser zu verstehen: Was ist schief gelaufen? Welche der Kategorien hat das negative Erlebnis hervorgerufen. Insgesamt 30 Erlebnisse (17 positiv/ 13 negativ) wurden auf ihre Zugehörigkeit analysiert. Die Arbeitsblätter mit den jeweils wichtigsten Auszügen eines Erlebnisinterviews konnten auf einer Magnettafel direkt zu Clustern zusammengefasst und interpretiert werden.

Tafel_1Bild: Arbeitstafel mit den sortierten Erlebnissen

Im nächsten Schritt wird die finale Sortierung der Entwicklung zukünftiger Konzepte dienen. Je nach Häufigkeit der beschriebenen Erlebnisse werden die entsprechenden Kategorien näher herangezogen, um entsprechende Handlungsempfehlungen und Maßnahmen nicht nur für die Akteure der Kultur- und Kreativwirtschaft, sondern gleichermaßen für die Betreiber oder Manager der Spaces und Zentren zu formulieren.

Dafür wird im letzten Schritt das Erlebnispotential der Zielgruppe, während der Kooperationsarbeit diskutiert und entschieden, an welcher Stelle geeignete Konzepte entwickelt werden sollen. In der Konzeptionsphase gilt als oberstes Gebot die aufgearbeiteten Erlebnisse der Zielgruppe immer im Fokus zu behalten, um somit Konzepte mit möglichst hohem Erlebnispotential zu entwickeln.

Gruppe_1.jpgBild: Raumsituation und Diskussionsteilnehmer

Literatur:

Experience Interview_2016

Advertisements

Exkurs: Renaissance „Coworking“

Innovative Coworking Spaces zu Zeiten des 15.Jhd. und die Chance auf eine Renaissance 2.0

Der Trend zum Coworking steigt seit der Jahrtausendwende kontinuierlich und somit auch die Anzahl der Coworking Spaces. Interessant ist, dass diese neue Bewegung zu interdisziplinären Arbeits- und Vernetzungsstätten von ihrer Funktionsweise stark an die Renaissance-Workshops („Bottega“) des 15. Jahrhunderts in Florenz erinnern. Hier verpflichteten sich die sogenannten Meisterkünstler der Pflege neuer Talente, indem sie ihnen ihre Techniken und Arbeitsweisen lehrten, wodurch sich neue Techniken entwickelten und sich neue künstlerische Formen ergaben. Dabei spielten die Zusammenarbeit sowie die starke Konkurrenz untereinander eine starke Rolle. Während der Renaissance wurde das Wissen in den Mittelpunkt der Wertschöpfung gesetzt. Dies kam durch die stark interdisziplinäre Besetzung der Werkstätten zum Ausdruck. Hier trafen Künstler wie Maler, Bildhauer und Goldschmiede auf Wissenschaftler wie Architekten, Mathematiker, Ingenieure und Anatome und wurden von reichen Kaufleuten, ihren Gönnern, finanziert. Die Redewendung „viele Hände machen leichtere Arbeit“ könnte nicht passender für die Beschreibung des Workflows innerhalb dieser Workshops verwendet werden. Die künstlerischen Unternehmungen, die hier stattfanden, waren kooperativ, organisiert und effizient, denn alle Mitglieder des Bottega-Teams arbeiteten zusammen, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen.

Form und Leben entwickelte sich innerhalb der Renaissance „Communities“, die sowohl ästhetische und ausdrucksvolle sowie soziale und ökonomische Werte hervorbrachten. Das Ergebnis dieser interdisziplinären und höchst innovativen Zusammenkluft war Unternehmertum, welches revolutionäre Arbeitswesen, die Gestaltung und Bereitstellung von Produkten und Dienstleistungen und sogar eine neue Sicht auf die Welt konzipierte. In den Florentiner Workshops wurden Leidenschaften, Träume und die daraus resultierenden Projekte miteinander verflochten. Die Auszubildenden, Arbeiter, Handwerker, Ingenieure, angehenden Künstler und Gastkünstler waren zugleich voneinander abhängig und unabhängig. Ihre nicht selten gegensätzlichen Leistungen wurden von einem renommierten Künstler im Zentrum, dem „Meister“, relativ locker koordiniert.

In seiner Mentoren-Rolle verhalf er neuen Künstlern zur sinnvollen Weiterentwicklung ihrer Talente ohne sie dabei in ihrer Arbeit zu definieren. Beispielsweise gab der Bildhauer, Maler und Goldschmied Andrea del Verrocchio (1435-1488) seinen Schülern die Möglichkeit innerhalb seines Workshops technische, architektonische oder auch wissenschaftliche Projekte zu verfolgen. Dadurch begünstigte und erzeugte er eine neue Generation an selbstständigen Künstlern mit ausdrucksstarken Charakteren wie Leonardo da Vinci (1452-1519), Sandro Botticelli (1445-1510) und Pietro Perugino (um 1450-1523), um nur Einige von ihnen zu nennen. Die drei stärksten Verkaufspunkte von Bottegas waren Ideen in die Tat umzusetzen, den Dialog anzukurbeln und die Konvergenz zwischen Kunst und Wissenschaft zu fördern.

Dieser kleine Exkurs zurück in die Hochphasen der Renaissance soll deutlich machen, dass durch die Verbindung interdisziplinärer Akteure in einem Raum, der ihre kreative Zusammenarbeit bewusst fördert und ihre enorme Innovationskraft bündelt, große Schöpfungen mit einem weitreichenden Einfluss auf Gesellschaft, Politik und Kultur hervorgerufen werden können.

Links:

https://hbr.org/2016/04/the-innovative-coworking-spaces-of-15th-century-italy

http://florenceart.aperion.net/blog/the-bottega-lifestyle/

http://www.courrierinternational.com/article/travail-le-coworking-une-idee-de-la-renaissance

 

COOPERATIVE WORK! Erstes Feedback zur Studie

Erste Interviewpartner berichten sehr eindrücklich über positive und negative Erfahrungen zum Coworking

Die Vorteile von Kooperationen zwischen Kreativschaffenden im Coworking Space oder Kreativzentrum liegen insbesondere beim verstärkt interdisziplinären Wissenstransfer und damit auch der Ergänzung von Kompetenzen durch andere kreative Partner. Der Wissens- und Ressourcenaustausch mit branchen-ähnlichen oder -fremden Kooperationspartnern verstärkt das kollektive Arbeiten und hilft dem kreativen Coworker bei der effizienten Weiterentwicklung seiner Unternehmung.

Mithilfe des Erlebnisinterviews wird ein tiefergehender Einblick in positive und negative Erfahrungen der stark selbstorganisierten Kreativschaffenden ermöglicht, um deren subjektiven Ansichten, Empfindungen und Bedürfnisse besser herauszustellen. Kooperationsfördernde aber auch -hemmende Merkmale sollen dadurch entschlüsselt werden und dienen als Grundlage zur Entwicklung von Konzepten und Ideen für eine verbesserte Zusammenarbeit zwischen Kreativakteuren.

Im Vorfeld wurden zahlreiche Coworking Spaces und Kreativzentren deutschlandweit per Email oder Telefon kontaktiert und um Unterstützung der Studie gebeten. Dabei wurden in die Auswahl kleinere bis größere Spaces, die sowohl ländlich als städtisch situiert sind, miteinbezogen. Einige der Betreiber meldeten sich zurück und boten Unterstützung über die Weiterleitung des Aufrufs nach Interviewpartnern an ihre Community, zum Teil über Direktansprache, was unglaublich hilfreich war.

Außer den angesprochenen Kreativschaffenden der zwölf Teilmärkte der KKW, ließen sich auch Betreiber und Community Manager von Coworking Spaces als Interviewpartner gewinnen. Hierfür war ein Abstecher in Bremen im Coworking Space „Weserwork“ zum Arbeitstreffen Coworking von 10.-12.02.17 sehr nützlich. Sofort wurde der „Vernetzungs-Vibe“ auf die Studie übertragen und eine Einblick in das tatkräftige Arbeitsgeschehen der German Coworking Federation gewährt, die mit viel Engagement die Werte des Coworking vertritt.

16708495_976992525764112_8164935376997027318_n

Vortrag zur Studie der Kooperationsarbeit. Quelle: Facebook – German Coworking Federation

Mithilfe erster Angaben konnten bereits fünf unterschiedliche „Coworking-Typen“ nach den Faktoren der Kooperationshäufigkeit und der Nutzungsintensität der Spaces identifiziert werden (-> siehe Tabelle). Zur genaueren Ausarbeitung der Typbeschreibung und der möglichen Erweiterung werden die restlichen Interviews abgewartet.

tabelle-coworker-typen

Coworking-Typen nach Kooperation & Nutzung. Quelle: Eigendarstellung

Eine kleine Auflistung positiver und negativer Aussagen zum Coworking im Space soll einen ersten Einblick in die Erlebnissinterviews gewähren:

++ „ich fühle mich immer so willkommen mit einem Start-up zusammen zu arbeiten (…) obwohl sie ganz anders arbeiten, fühlt man sich wie in einer kleinen Familie“

++ „der Erfahrungs- und Gedankenaustausch ist intensiver, sogar im Café (…) hier habe ich über viele Projekte erfahren und mir wurden Kontakte weitergereicht, ein organisches Geben und Nehmen (…) ohne dass man eine Erwartung hat“

++ „im Coworking Space ist es einfacher zusammenzuarbeiten, als in einem Open Office in einer Firma“

++ „das erste Meeting hat mich total inspiriert, ich wollte gleich mit ihm zusammenarbeiten“

++ „ich habe hier Verbindung mit Gewerken und Spezialisten, wo ich selbst keiner bin (…) man kann interdisziplinär sein Wissen drum herum erweitern“

++ „ich war automatisch im Netzwerk drin, obwohl ich das gar nicht so vorhatte, aber es war gut“

 

– – „als junger Freelancer ist es schwierig an Klienten zu geraten (…) einige Spaces stellen gar niemand gegenseitig vor“

– – „immer noch eine Herausforderung ist, wie schafft man es effizient im Coworking Space zu sein, um sich nicht zu verzetteln durch zu viele Gespräche“

– – „die Sicht nach außen, die Kommunikation der Partnerschaft (…) durch die Stadtverwaltung fehlt“

– – „die Abgrenzung sollte strikter eingehalten werden im konzentrierten Bereich (…) der Lärmpegel ist manchmal zu hoch“

– – „im Coworking Space muss man Meetingräume immer noch kostenpflichtig buchen (…) 3h zu buchen bei 3 Skype-Terminen rentiert sich (finanziell) für mich nicht“

– – „die Mails (zu Events) sind immer so schön formatiert (…) aber ich muss da immer so lange suchen bis ich die eigentliche Info finde (…) ich brauche kein schickes Design, fünf Wörter reichen“

 

3-2-1 GO: Auftakt zur Studie

Suche nach Interviewpartnern für die Forschungsarbeit „Kooperationsarbeit in Coworking Spaces und Kreativzentren in Deutschland“ startet

Titelseite_prezi.PNGQuelle: Eigendarstellung auf prezi.com

Nach einer langen Phase der Literaturrecherche und Ausarbeitung des Forschungsschwerpunkts mit entsprechendem Forschungsdesign, startet noch diese Woche der Aufruf zur Teilnahme an Erlebnisinterviews für die erste Erhebungsrunde. Angeschrieben werden eine Vielzahl an Kreativzentren und Coworking Spaces in Deutschland, die nicht nur in ihrer Erscheinungsform, sondern auch hinsichtlich ihrer Größe und  Verortung stark variieren. Angestrebt wurde eine allesumfassende, breite Mischung.

Zur Teilnahme an den Erlebnisinterviews  werden Kreativakteure aufgerufen, die sich durch ihre Arbeit zum Teil der Kultur- und Kreativwirtschaft machen und mindestens 50% ihrer Arbeitszeit in Coworking Spaces oder Kreativzentren verbringen. Nach Beschäftigungsgrad  oder -form wird nicht aussortiert, jeder Selbstständige, jeder Freelancer und jeder Kreativschaffende im Angestelltenverhältnis kann zum Interviewpartner werden. Der der Fokus der Studie auf der Kooperationsarbeit liegt, sind besonders kooperationsaffine Teilnehmer erwünscht. Das Herausfiltern der weitgehend noch nicht beleuchteten subjektiven Ansichten, Bedürfnisse und Herausforderungen der Kreativschaffenden wird angestrebt. Darüber hinaus sollen die jeweiligen Faktoren für ein positives oder negatives Empfinden während der kooperativen Arbeit erkannt und beschrieben werden.

Im Anschluss an die Ergebnisauswertung werden konkrete Ansätze und Handlungsempfehlungen für eine erfolgsversprechende Zusammenarbeit im Sinne kooperierender Parteien herausgearbeitet. Diese sollen den Akteuren als auch den Betreibern der Zentren und Spaces für weitere Entwicklungen dienen und werden diesen im Anschluss zur Verfügung gestellt.

Der ersten Erhebungsrunde über Erlebnisinterviews soll sich eine quantitative Online-Befragung zur Verifizierung erkannter Fokusthemen und -aussagen anschließen.

Zum Aufruf der Erlebnisinterview-Partner:

http://prezi.com/-dlogolmmr87/?utm_campaign=share&utm_medium=copy

Literatur:

http://www.design4xperience.de/handbuch-erlebnisinterview-positive-erlebnisse-waehrend-der-arbeit/

 

Cultural Governance – die Rolle der Kreativakteure

Was könnte der direkte Bezug auf Kreativschaffende für eine ernstgemeinte „Cultural Governance“ bedeuten?

„Im Neoliberalismus (…) findet man ebenfalls eine Theorie des Homo oeconomicus, aber der Homo oeconomicus erscheint hier überhaupt nicht als Tauschpartner. Der Homo oeconomicus ist ein Unternehmer, und zwar ein Unternehmer seiner selbst (…), der für sich selbst sein eigenes Kapital ist, sein eigener Produzent, seine eigene Einkommensquelle.“ (Aus der Vorlesung von Michel Foucault am 14. März 1979 am Collège de France; Foucault (2006): S. 314)

Die hier zitierte Textstelle lässt sich auf die Mechanismen der neoliberalen Regierungsform der sogenannten „Gouvernementalität“ zurückführen. Nach diesem von Michel Foucault geprägten Begriff zieht sich der Staat im Einverständnis mit den Regierten immer mehr aus seiner Regierungs-verantwortung zurück und überlässt es dem Individuum, für sich selbst zu sorgen. Der Einzelne wird immer mehr in die „Führung des Selbst“ überführt, erwirbt Kenntnisse und Fertigkeiten des Selbstmanagements, um am Markt bestehen zu können. Diese Tendenz der „Regierung des Selbst“ wird vor allem von Sozialwissenschaftlern sehr kritisch betrachtet. Immer deutlicher wird diese Tendenz jedoch im Kulturbereich mit seinen projektbezogenen Arbeitsformen, unbefristeten Anstellungsverhältnissen und wenig geregelten Einkommens-verhältnissen. Kreativschaffende müssen sich ständig um neue Beschäftigungen, Aufträge und Projekte bemühen. So bleibt ihnen nichts Anderes übrig, als im verstärkten Maße auf Professionalisierung und Selbstmanagementfähigkeiten zu setzen und Verantwortung für sich selbst zu übernehmen.

20161222_220210Abb.: Das Modell der „Cultural Governance“ im Wirkungsfeld des gesellschaftlichen Wandels, Reich M. 2013

Kulturmanager Scheytt spricht sich in seinem Buch „Kulturstaat Deutschland“ für eine „aktivierende Kulturpolitik“ aus, die alle gesellschaftlichen Kräfte, also Potenziale von Staat, Zivilgesellschaft und Wirtschaft umfasst. Mithilfe von Bürgerbeteiligung, ehrenamtlichen Engagement und „nachhaltigen Verabredungen mit der Wirtschaft“ könnte der „Partizipationsgedanke der 1970er Jahre“ wiederbelebt und der gesellschaftliche Konsens über die Wichtigkeit der Förderung von Kultur befördert werden. Durch diese Cultural Governance sollen diese entstehenden Potenziale im privatwirtschaftlichen Sektor ebenso einbezogen werden, wie die in der Zivilgesellschaft. Der aktivierende Kulturstaat darf aber angesichts knapper öffentlicher Kassen keinesfalls der Versuchung erliegen, in diesem Zusammenhang sein Engagement zurückzufahren. Angesichts vielfältig vorhandener Problemlagen würde die 3-sektorale Kultur dann wie ein Kartenhaus zusammenbrechen. Deshalb sollte der Fokus auf den Gewinn zusätzlicher Partner und Akteure liegen, die die Kultur tief in unsere Gesellschaft hineintragen und gemeinsam mit dem Staat für deren Festigung und Weiterentwicklung eintreten.

Viele Untersuchungen im Rahmen der Kultur- und Kreativwirtschaft haben mittlerweile die vielfältigen Rahmenbedingungen und Verhältnisse sehr gut ausgeleuchtet. Aufgrund dessen konnten auch unterschiedliche Problemlagen aktueller Geschehnisse in der Kultur- und Kreativwirtschaft herausgefiltert werden. Und dennoch scheint ein wesentlicher Fokus bislang ausgeblendet: der direkte Bezug zu den eigentlich Betroffenen, den Kreativschaffenden und die Erkundung ihrer subjektiven Ansichten, Empfindungen und Bedürfnisse. Sprich, obwohl alle Welt über die Kreativen spekuliert, hat man es bislang versäumt, den Dialog mit den stark selbstorganisierten Kreativschaffenden selbst zu suchen. Mit und nicht nur über die Kreativen zu sprechen, spiegelt für die öffentliche Hand die Grundlage für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit und entspricht demnach auch dem Gebot einer ernstgemeinten Cultural Governance. Die Beleuchtung dieses wenig erforschten Terrains der Motivationen, Empfindungen, Bedürfnissen und Herausforderungen von Seiten der Kreativakteure im Speziellen derjenigen, die sich in ein Coworking Space oder Kreativzentrum zum Arbeiten und Wachsen eingenistet haben, ist das Kernziel des geplanten Forschungsvorhabens.

Literatur:

Reich, Mathias P. (2013): Kultur- und Kreativwirtschaft in Deutschland. Hype oder Zukunftschance der Stadtentwicklung?

Scheytt, Oliver (2008): Kulturstaat Deutschland. Plädoyer für eine aktivierende Kulturpolitik.

Links:

http://www.bpb.de/apuz/32190/zur-begruendung-von-cultural-governance?p=all

 

„Cooperation and collaboration is the new black“

Warum ist Kollaboration so essentiell für die Förderung der Kreativwirtschaft und des Mittelstands?

Da in der Wirtschaft vorhandene Innovations- und Wertschöpfungspotenziale in nicht ausreichendem Maße Anwendung finden, werden auf politischer Ebene zunehmend Förderlinien installiert, die auf Kollaboration und Kooperation setzen. Schaut man auf die Ebene der Europäischen Union wird deutlich, dass die Kultur- und Kreativwirtschaft aufgrund ihrer Querschnittsorientierung eine wichtige Rolle einnimmt. Auf die Bedeutung dieser Branche wird zunehmend in wichtigen Verordnungen und Regelungen hingewiesen, von der Regional- über die Wirtschafts- bis hin zur Bildungspolitik. Besonders kleine und mittlere Unternehmen (KMU) und Kleinstunternehmen spielen bei der Suche nach sogenannten „Smart Specialisation Strategies“ eine zentrale Rolle – hier sollen künftig cross-sektorale Innovationprozesse stärker verankert werden.

Smart Specialisation ist ein standortstrategisches Konzept mit der Ambition, Strukturwandel zu fördern, um wissens- und innovationsgeleitetes Wachstum zu generieren. Dabei sollen regionale Entwicklungsprioritäten genau dort gesetzt werden, wo das vorhandene Wissen und die nötigen Technologien Erfolg versprechen. Standortstrategien für Smart Specialisation (RIS3 Research and Innovation Strategies) setzen dieses Konzept um, indem sie die chancenreichsten Entwicklungsfelder einer Region bestimmen. Zu beachten ist, dass Standortstrategien die RIS3-Kriterien nur dann erfüllen, wenn sie als gemeinsamer Zukunftstraum von Wirtschaft, Politik und den Leitinstitutionen für Wissen, Technologie, Innovation und Kreativität einer Region entwickelt wurden.

Durch diesen regionalen Fokus geht die Aufforderung einher, die Rolle von Kreativität und Kultur als „Transmissionsriemen“ für den regionalen wie europäischen Innovations- und Netzwerkzusammenhang stärker zu würdigen und somit zu fördern. Mittelstand und Kreativwirtschaft werden als „Innovationskatalysator“ beauftragt.

Kooperationsformen oder Partnerschaften wie Allianzen, Joint Ventures oder Koalitionen kennen wir bereits. Neuere Ausprägungen sind oft durch bestimmte hybride Technologieszenen geprägt, wie beispielsweise Crowds, Swarms, Hives, Mobs etc. Den Fokus gilt es darauf zu legen, welche Akteure und Bestandteile wann und wie zueinander finden, in welcher Konstellation und welche ihrer Kompetenzen komplementär sind. Aufgrund der dominanten Kleinteiligkeit der Marktteilnehmer der Kreativwirtschaft, sind Kooperationen und Kollaboration für Kreativakteure im Vergleich zu etablierten KMU und Großunternehmen essentieller, um wachsen zu können

KV_Ideale.jpgQuelle: http://www.unternehmen-und-gruender-in-sachsen-anhalt.de/maerkte/zukunftsmaerkte

Warum wird der Kreativwirtschaft so viel Bedeutung zugeschrieben?

Die Kreativwirtschaft folgt einer Netzwerklogik, die sich auch aus den stetig voranschreitenden sozio-technologischen Entwicklungen einer digitalisierten Kreativ- und Wissensgesellschaft ergibt. Die typische Arbeitspraxis ist geprägt von unterschiedlichen Communities, die kollektive Ressourcen bündeln, ohne dabei die Individualität und Autonomie des Einzelnen anzugreifen. So definieren sich die meisten Kreativakteure über den Bezug zu anderen. Dieser relationale Charakter ist ein wesentliches Merkmal der kreativen Ökonomien, auch in Hinblick auf die Entwicklung von Märkten und Produkten.

Studien zur Innovationsfähigkeit des Mittelstands und der KMU (z.B. ZEW/Prognos AG und Universität Mannheim 2011) spiegeln die Schwierigkeit dieser bei der Entwicklung von substanziell neuen Innovationen im laufenden Betrieb wider. Hier könnte die Kreativwirtschaft und ihre oft in freien Strukturen arbeitenden Protagonisten wertvolle Impulse auf unterschiedlichen Ebenen setzen. Nicht nur im Bereich Arbeitsmethoden, Prototyping, Prozess- und Produktentwicklung könnten sie wichtige Impulse setzen, sondern auch durch abweichende Denkweisen neue Perspektiven auf Produktion, Organisation und gesellschaftliche Verortung des Unternehmens kreieren.

Kreativunternehmen unterstützen bisher ihre Kunden hauptsächlich im Innovationsprozess der Umsetzung und Verbreitung neuer Produkte. Weniger stark werden sie hingegen in den vorangehenden Innovationsphasen integriert, was sehr widersprüchlich ist, liegen doch gerade in der Inspirations-, in der Gestaltungs- und Entwicklungsphase ihre eigentlichen Stärken. Ein stärkerer Fokus auf cross-sektorale Kooperationen zwischen Mittelstand und Kreativwirtschaft ist laut Studien (z. B. Prognos AG und Fraunhofer ISI 2012) so noch nicht gegeben, könnte aber perspektivisch einen Ausweg aus der KMU-Innovationsfalle darstellen und somit von gegenseitigem Wert für die Beteiligten sein.

Literatur:

Lange/ Knetsch/ Riesenberg (2016): Kollaborationen zwischen Kreativwirtschaft und Mittelstand: Erfolgsfaktoren, Methoden und Instrumente.

Links:

http://wissenschaft.bmwfw.gv.at/bmwfw/forschung/national/standortpolitik-fuer-wissenschaft-forschung/ris3-standortstrategien-fuer-smart-specialisation/

Upcoming: Coworking!

Zur Entstehung von Coworking und dessen Einstufung als Erfolgsmodell

Der Trend zum Outsourcing und Offshoring von IT-Dienstleistungen war mitunter impulsgebend zur Entstehung und Entwicklung von Coworking. Dadurch wuchs auch das Feld der Freelancer, freiberufliche Einzelkämpfer, enorm an. Mal abgesehen davon, dass ebendiese trotz ihres hohen Know-hows nicht zwangsläufig zu den Besserverdienern gehören, bringt die neue und ungewöhnliche Arbeitsgestaltung zugleich positive und negative Reaktion mit sich. Sie ist gekennzeichnet durch Entgrenzung im Hinblick auf Arbeitsvertrag, Arbeitszeit und Arbeitsort und zudem durch Reflexivität und Subjektivierung von Arbeit. Das Individuum projiziert immer mehr Subjektivität in die Arbeit und andersherum verlangt die Arbeit mehr Subjektivität vom Individuum. Als Folge davon lösen sich die wesentlichen Züge des Arbeitsplatzes, so wie man ihn im traditionellen Sinne beschreiben würde, immer mehr auf.

Die Transformation erfolgt auf mehreren Ebenen und verwischt das Bild des fixen Arbeitsplatz als feste Geldeinnahme an einem durchorganisierten Ort mit vorhandener sozialer Gemeinschaft. An diese Stelle tritt eine Arbeit gekennzeichnet durch zeitlich befristete, projektorientierte Werk- oder Dienstleistungsverträge, die meist daheim oder in nahegelegenen Wifi-Cafés erledigt wird. Der entscheidende Wissensaustausch und die Knüpfung geschäftsrelevanter Kontakte kommen aufgrund der eher abgeschotteten Einzelarbeit oftmals zu kurz.

Nach dieser Analyse erscheint einem das Freelancertum nicht gerade als begehrenswert und dennoch entwickelt sich die Vorstellung eines Arbeitsplatzes, der einem sowohl die nötige Struktur und Gemeinschaft als auch Freiheit und Unabhängigkeit bietet zur Idealvorstellung vieler. Dieses Ideal treibt auch die Ausweitung des Coworking-Arbeitsstils entscheidend voran. Insofern könnten die empfundenen Verlierer künftig doch noch zu den Gewinnern des Offshoring-Trends werden und der Welt eine neue, verbesserte Form der Arbeitsgestaltung präsentieren. Erste Modelle, die wesentliche Merkmale der heutigen Coworking Spaces aufweisen, entstanden schon in den Neunzigern wie das Hackerspace „C-Base“ in Berlin, welches 1995 seine Pforten öffnete. Hier wurden bereits offene Räumlichkeiten zur Förderung der Zusammenarbeit von Menschen mit gemeinsamen Werten und Interessen geboten und gaben gleichzeitig Spielraum für die Kreativität der sich entwickelnden Community. 1999 wurde das „42 West 42“ in New York von dem Unternehmen Boyle Software ins Leben gerufen und stellte Freelancern und kleineren Unternehmen Büroflächen mit „Flexible Desks“ auf Monatsbasis zur Verfügung. Die ermöglichte kurzfristige, vertragliche Bindung stellt bis heute ein wesentliches Merkmal des Coworking Space dar, hinzu kommt das bewusste in die Wege leiten der Zusammenarbeit mit Freelancern.

Tatsächlich kam der Begriff des Coworking auch erst im Jahr 1999 auf, durch die Prägung von Bernhard DeKoven, dessen Vorstellung von Arbeit der „Zusammenarbeit unter Gleichen“ entsprach. Die revolutionäre Bedeutung seiner Idee, die keineswegs den üblichen hierarchischen Strukturen von Arbeit entsprach, wurde ihm erst Jahre später bewusst. Nach weiteren vergleichbaren Erscheinungen wird im Jahr 2006 die „Hat-Factory“ in San Francisco unter Mitwirkung von Brad Neuberg eröffnet und bietet seinen Mietern als eines der ersten Spaces unter der Bezeichnung Coworking Vollzeit-Arbeitsmöglichkeiten. So kann festgehalten werden, dass sich in den Jahren nach der Jahrtausendwende erste Keimzellen von Coworking an sehr unterschiedlichen Orten und auch unabhängig voneinander entwickelten. Der Kerngedanke von Coworking, welcher im gegenseitigen Profitieren durch die Zusammenarbeit gleichgesinnter, aber voneinander unabhängiger Menschen lag, entwickelte sich mehr und mehr zum Erfolgsmodell.

deskmag-coworking-4060deskmag.com (2013)

Die Anzahl der Coworking Spaces wächst seit jeher stetig an. Laut einer im März 2013 von Deskmag veröffentlichten Statistik, eröffnen an jedem Werktag durchschnittlich 4,5 Spaces und es kommen durchschnittlich 245 neue Coworker hinzu. Eine enorme Entwicklung und dennoch müssen wichtige Gegebenheiten das Überleben eines Space garantieren. Nicht wenige namenhafte Spaces mussten bereits um ihre Existenz bangen oder gar ihre Pforten wieder schließen. Die Fristeninkongruenz der langwierigen Mietverträge für Betreiber und der meist kurzweiligen Anmietungen der Coworker stellt mitunter das größte Risiko aus betriebswirtschaftlicher Sicht dar. Zur selben Zeit ist die Kapitaldecke der Coworking Spaces meist eher dünn, was sehr schnell zu Umsatzflauten führen kann und nicht selten in Insolvenzen mündet. Die örtliche Platzierung des Coworking Spaces, sowie die gewählte Größe und beschlossene Maßnahmen zur Bildung und Aufrechterhaltung einer Community sind grundlegende Faktoren, die vor einer Eröffnung wohlüberlegt werden müssen. Laut Nachforschungen des Fraunhofer Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation stellen bereits geschlossene Coworking Spaces jedoch nur Einzelbeispiele dar, die kein Zweifel an der gesamten Coworking-Bewegung und deren weiteren Wachstum erwecken sollten. Mit einer deutlichen Zunahme der Anzahl von Coworkern und Coworking Spaces wird weiterhin gerechnet, dafür spricht mitunter die Tatsache, dass auch der Outsourcing Markt, zumindest in Deutschland, stark wächst. Zudem sieht das Institut das Potenzial an Ideen, Kunden und Kooperationen von Coworking Spaces nicht annährend als ausgeschöpft, dafür spricht unter anderem die Tatsache, dass aktuell nahezu täglich neuartige Modelle von Coworking Spaces entstehen.

Links:

http://www.deskmag.com/de/neue-fraunhofer-studie-faszination-coworking-910

http://www.deskmag.com/de/jeden-tag-oeffnen-vier-fuenf-neue-coworking-spaces-737

http://www.deskmag.com/de/coworking-spaces-vorhersage-umfrage-statistik-2016

https://www.iao.fraunhofer.de/lang-de/